02.10.2019 – Zu Gast bei den NORMANNEN: Wanderfahrer des See-Club Luzern (CH)

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Unser Mitglied Christian BRAUN hat mittlerweile beruflich Karriere in der Schweiz gemacht und engagiert sich in leitender Funktion im Seeclub Luzern. Um seinen Schweizer Ruderkameradinnen und -kameraden seine Heimat auch ruderisch zu zeigen, hatte er für sie im September eine 4tägige Wanderfahrt auf der Donau (von Linz nach Klosterneuburg) organisiert. Er hat dafür uns Normannen um Unterstützung gebeten. Gemeinsam mit den Rudervereinen Ister Linz, LIA Wien und Ottensheim stellten wir zwei Boote zur Verfügung, sorgten für den Bootstransport und warben stromkundige Begleiter an.

Als Etappenziele unterwegs waren Grein, Melk und Krems/Stein festgelegt. Der Wasserstand war gerade richtig, aber das Wetter spielte leider nicht ganz mit. An den ersten 3 Tagen gab es wohl Sonnenschein, doch am zweiten Tag (Grein – Melk) kam starker, böiger Westwind auf, der die letzten Kilometer am Ende des Strudengaus für Ruderboote nahezu unfahrbar machte. Schon im Bereich der Kraftwerksschleuse Ybbs-Persenbeug wurde eine besonders hohe Welle dem einen Vierer zum Verhängnis: Das Boot war im Nu vollgelaufen, die Mannschaft schwamm.

Es dauert eine Weile, bis die Notlage der Besatzung vom Ufer aus erkannt wurde. Aber dann lief die Bergeaktion rasch an. Die Ruderer wurden geborgen und versorgt. Mit dem Boot aber hatten die tüchtigen Feuerwehrmannen so ihre liebe Not. Wie packt man einen vollgeschlagenen Vierer richtig an, wie fädelt man die Ruder eines an einem Kran hängenden Bootes aus den Dollen?  Gut, die Helfer schafften es, das Schiff weniger, aber es ist schon in der Werft und wird in der kommenden Saison wieder die Donau und andere Reviere befahren.

Als reinste Erholung – besonders für die Mannschaft, die den Schiffbruch letztlich als Abenteuer betrachtete, das gut ausgegangen war – entwickelte sich dagegen die nächste Etappe durch die Wachau. „Kaiserwetter“ mit Sonnenschein und Windstille begleiteten das übergebliebene Boot. Anders wieder am letzten Tag: 65 km mit gut 2/3 stehendem Wasser und Regen ab Altenwörth forderten der Mannschaft große Ausdauer ab. Mit einem kleinen, aber feinen Abendessen im Klosterneuburger Stiftskeller schloss die Wanderfahrt.

Trotz manchmal widriger Umstände war diese Wanderfahrt ein voller „Erfolg“, wenn man darunter die Organisation sowie Landschaft und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke versteht. Da es sich um Gäste aus einem der schönsten und reichsten Länder der Welt handelt, können „wir von der Donau“ darauf stolz sein.

Welche ruderischen Erfahrungen können die österreichischen Begleiter von diesen 4 Tagen mitnehmen?

  • Der Bereich der Donau stromauf des Kraftwerkes Ybbs-Persenbeug ist bei starkem Westwind so windanfällig, sodass es ratsam ist, keine Schleusung zu riskieren und – trotzdem die Anlage im Unterwasser alles andere als ideal ist – die Boote umzusetzen.
  • Rettungswesten sind kein Zeichen von Angst vor dem Wasser, sondern im Fall des Falles – besonders im Bereich von Schleusen und schwierigen Anlegesituationen – zumindest eine wichtige Unterstützung von Schiffbrüchigen und Bergekräften.
  • Nicht immer war das Verhältnis zwischen Ruderern und dem für eine Schleusung verantwortlichen Schleusenwärter bei einem Donaukraftwerk reibungslos. Bei der Wanderfahrt mit den Schweizer Gästen gab es dagegen in keinem Fall ein Problem. Die Wanderfahrt war bei der Schifffahrtspolizei rechtzeitig angemeldet worden, und bei der Kommunikation zwischen den Booten und der Schleuse zeigten beide Seiten Verständnis für einander. So wurde zum Beispiel das Boot in Greifenstein angesichts des schlechten Wetters und der stark verschlammten Einsatzstelle im Unterwasser sofort nach Ankunft vor der Schleuse allein geschleust.
Text und Fotos: Fritz Stowasser