Mit dem Kirchboot im Donaudelta

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HANS UND ERIKA AUF RUDERTOUR im Mai 2013

Die Rudertour:

Wir durften auf Einladung von Rainer, dem Besitzer des Kirchbootes, an dieser Rudertour teilnehmen. Außerdem dabei waren Teilnehmer aus Australien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Japan, Norwegen und Deutschland. Wir haben neun Tage im Delta gerudert plus An- und Rückreise. Der Bootstransport von Deutschland über Klosterneuburg, Ungarn nach Rumänien / Galati war ca. 2.000 km unterwegs.

In Galati war allgemeiner Treffpunkt und von hier aus starteten wir unsere Rudertour. Für die Übernachtungen mit Vollpension im Delta hatten wir die Annehmlichkeit eines Hotelschiffs. Dieses Floating Hotel und die Begleitboote machten diese Tour beinahe zur Luxusreise.

KirchbootDas Kirchboot

ist ein spezielles Holzruderboot, das von 14 Personen und einem Steuermann gerudert wird. Das Kirchboot stammt ursprünglich aus Finnland. Sie dienten als Verbindung zwischen einzelnen Kirchengemeinden, da die Verkehrsverbindungen zwischen den Dörfern damals nur schlecht ausgebaut waren. In erster Linie wurde das Kirchboot für Fahrten zum sonntäglichen Kirchgang genutzt. Die Kirchboote werden in traditioneller Klinkerbauweise gebaut. Ein Kirchboot bietet 14 paarweise sitzenden Ruderern und einem Steuermann Platz. Die Ruderriemen werden am Bootskörper auf nach vorne gekrümmte Metallstifte gesteckt und können während des Rudern nicht gedreht werden. Die heutigen Kirchboote besitzen meist von vornherein Rollschienen mit Rollsitzen. Trotz seiner Länge ist ein Kirchboot wendig und schnell. Kirchboote sind aufgrund ihrer Rumpfform sehr seetüchtig.

Das Donau Delta:

Etwa 2.850 Kilometer fließt das Wasser der Donau von ihrer Quelle im Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Im rumänisch-ukrainischen Grenzgebiet weitet sich die Mündung zu einem riesigen Flussdelta. 5.000 Quadratkilometer Auwälder, Seitenarme, Seen, Europas größte Schilfrohrgebiete und extreme Trockenbiotope auf den Dünen machen das Donaudelta zu einer ökologischen Wunderwelt.

  1. Rudertag 10.5. Galati – Isaccea > Mannschaft und Boot gewöhnen sich aneinander, bei teilweise rauem Wasser erreichen wir unser Floating Hotel ankernd mitten in der Donau an einem leeren Lastkahn.
  2. Rudertag 11.5. Isaccea – Tulcea – Nufaru > da die Donau Hochwasser führt, können wir anstatt an Land am Hotelschiff die Toilettenpausen halten. Während wir die Stadt Tulcea passieren hat der Steuermann einiges zu tun, da hier besonders viel Schiffsverkehr herrscht. Hier kreuzen jede Menge Delta Ausflugsschiffe und auch Hochseeschiffe.
  3. Rudertag 12.5. Nafaru – Sulina Kanal – Sulina > eine lange Ruderstrecke mit schöner abwechslungsreicher Landschaft, viele Dörfer und Tierherden entlang der Uferseiten. Hier begegnen uns schon Hochseeschiffe. In einem Seitenarm nahe Sulina ankert unser Hotelschiff. Spät nachmittags unternehmen wir eine Land Tour, per Taxi Bus fahren wir auf einer unbefestigten Straße in die Stadt Sulina zur Besichtigung und zur Sulina Beach bei km 0.
  4. Rudertag 13.5. Sulina – Schwarzes Meer – Sulina – Lake Rosulet – Lake Rosu > früh am Morgen, mit Schwimmwesten bekleidet, rudern wir am Leuchtturm vorbei, ins Schwarze Meer hinaus. Ein schönes Erlebnis!!! Nach der anstrengenden Rückfahrt, da sehr heiß halten wir längere Mittagspause am Hotelschiff. Nachmittags rudern wir einen langen Kanal zu zwei Seen. Hohes Schilfgras, Wasser Iris und Seerosen sind zu sehen. Als wir endlich die Seen erreichen sind wir von den vielen, mächtigen Pelikanen begeistert.
  5. Rudertag 14.5. Sulina – Sfantu Gheorghe > wir rudern den Canal Rosu direkt nach dem südlichst gelegenen Sfantu Gheorghe. Abwechslungsreiche Landschaft, am Ufer viele Kuhherden, brüllende Bullen stehen im Wasser, wir sehen viele verschiedene Baum- und Buscharten, Wasserkohl, Iris, Seerosen in Gelb und Weiß. Kormorane, Reiher und andere verschiedene Vögel kreisen über uns. Bei schnell aufziehendem Gewitter erreichen wir einen kleinen Fischerhafen bei Sfantu Gheorghe wo wir uns an Land retten bevor ein Platzregen niedergeht. Unser Hotelboot ankert gegenüber von dem Ort im Sfantu Gheorghe Kanal, also müssen wir noch ein kleines Stück rudern.
  6. Rudertag 15.5. Sfantu Gheorghe – Insel Sacalinu > Die Insel ist ein Naturschutzgebiet deshalb musste Rainer schon bei der Tour Planung eine Sondergenehmigung einholen damit wir hier rudern dürfen. Wir haben auch hier wieder hunderte von Pelikanen bewundern können – ein einmaliges Erlebnis!!! Wegen teilweise niederem Wasser mussten wir aussteigen und das Boot schieben. War auch lustig. Auf der Insel Sacalinu gibt es merkwürdige, eckige Seeigel mit langen Stacheln und viele leere große Muscheln. Später nachmittags unternehmen Rainer, Hans und ich mit dem Wassertaxi eine Fahrt ins Dorf Sfantu Gheorghe. Es gibt keine Straßen hierher, jeglicher Transport kann nur am Wasserweg erfolgen.
  7. Rudertag 16.5. Sfantu Gheorghe – Schwarzes Meer – Sfantu Gheorghe Arm – Lake Erenciuc > auch von Sfantu Gheorghe rudern wir ein Stück ins Schwarze Meer hinaus, die Wellen können dem Kirchboot nichts anhaben, aber trotzdem müssen wir zurück und ab nun den Sfantu Gheorghe Arm stromauf rudern. Nebenherfahrende Fischerboote beobachten interessiert unser Rudern und Schwitzen. Die Strömung ist ganz ordentlich. In einer Bucht unter Bäumen befestigen wir das Kirchboot und können so Pause halten. Mittags können wir uns dann am Hotelschiff, das uns in Abstand gefolgt ist, erholen. Nachmittag rudern wir einen kurvigen Kanal mit wunderschöner, idyllischer Landschaft zu einem See mit Seerosenfeldern und vielen Pelikanen.
  8. Rudertag 17.5. Sfantu Gheorghe Arm bis Irgendwo (km 48) > wir rudern mit Anstrengung weiter stromauf. Da ziemliche Strömung werden die Trinkpausen immer nur von halber Mannschaft genommen, die andere Hälfte rudert weiter. Dann wird gewechselt. So bleibt das Boot in Bewegung. Doch dann finden wir auch einen schmalen Grünstreifen zum Aussteigen, Rücken strecken, usw. Außer Auwald, Reiher, Kormorane und Wasser, Wasser gibt’s hier nix. Die Freude ist immer groß, wenn wir das Hotelschiff ankern sehen. Nach der Mittagsrast rudern wir in einen schmalen Seitenarm, sehr schöne Dschungel Landschaft, unterschiedliche Vegetation ist zu bestaunen und viele Vogelarten überfliegen uns.
  9. Rudertag 18.5. Sfantu Gheorge Arm bis Uzlina > die letzte Stromauf Etappe wird zähe, Hitze macht uns schon seit Tagen zu schaffen. Aber zur Abwechslung begegnen uns nun schon andere Touristen Schiffe. Gegenüber von Uzlina liegt unser Hotelschiff vor Anker und bleibt auch hier bis zur nächsten Touristentour. Nach einer ausgiebigen Ruhepause rudern wir den Alten Gheorghs Arm hoch wo wir riesige gelbe Wasserblumen Felder und blühenden Ginster sehen.
  10. Tag 19.5. Abschied vom Donau Delta > das Kirchboot wird versorgt und für den Rücktransport nach Muringhol gebracht. Eine Rundfahrt mit dem Touristenmotorboot lässt uns nochmals Delta Eindrücke sammeln. Abschiedsabend und die letzte Nacht am Hotelschiff.
  11. Tag 20.5. Abreise vom Donau Delta > die Teilnehmer werden vom Hotelschiff mit dem Wassertaxi nach Muringhol gefahren und von dort geht die Heimreise weiter über Tulcea und Bukarest per Bus und Flugzeug, bzw. mit der Bahn ins jeweilige Heimatland.

Während dieser sehr schönen Rudertour im Donau Delta haben wir 415 km gerudert.

© Erika MAXA 28. Juli 2013