Rose, meine letzte! Ernsthaft?

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Eine Rückschau von Renate Podesser.

Von Anfang an bin ich dabei und ich hatte sie auch alle angepeilt, die ersten 20 ohne Unterbrechung. Bis mich im vorigen Jahr böses Ungemach in Form einer gerissenen Handsehne ereilt hat, vier Wochen vor der 19. Rose. So sind es letztendlich nicht 20, sondern eben 19 Starts hier am Wörthersee bei der Langstreckenregatta für Einer von Velden nach Klagenfurt geworden. Die stattliche Distanz: 16 Kilometer. „Mister Rose“ mit 20 Starts am Stück darf sich somit der Völkermarkter Erwin Werkl nennen.

Es war der 21. Oktober 2000, den Willy Koska für den ersten Bewerb ausgeschrieben hatte. Mein erstes Ruderjahr. Die Jungfernfahrt beim Ruderverein Albatros in einem offenen Klinkereiner (Wherry) am 11. April, bei beachtlichen Wellen aus Westen, hat meine Leidenschaft fürs Rudern geweckt. (Damals wurde ein erwachsener Ruderanfänger noch als etwas Exotisches empfunden.) Es folgten viele Kilometer in einem alten Holzzweier mit Toni, meinem ersten Instruktor, geprägt von noch mehr Spaß und sehr mäßiger Rudertechnik. Natürlich waren auch die Ruder aus Holz. Drei Ausfahrten hat mir der Zeugwart in einem alten Holzboot vor der Rose genehmigt. Meine ersten Erfahrungen in einem Renneiner überhaupt. Ich hatte wirklich Bammel, aber der Ehrgeiz trieb mich an und ich wagte das, wovon mir alle, einschließlich Willy Koska, dringend abrieten: Ich meldete mich an.

Unwirtliches Wetter, Nebel, kalter Ostwind. Die Gruppe überschaubar mit 39 Teilnehmern. Ich denke, ich hab mich nicht so schlecht gehalten mit 1:35:44, denn es lagen noch einige Ruderer hinter mir.

Dann kam die zweite Rose, die schicksalhafte. Durch sie bin ich bei den Normannen gelandet. Und ins Wasser gefallen, im Übermut und einer doch zu hohen Welle bei der Kapuzinerinsel. Die Wasserrettung erhob Anspruch auf ihre Profession, aber ich wollte unbedingt wieder einsteigen und das Rennen beenden. So getan und die Zeit gar nicht so übel mit 1:26:20. Ich behaupte ja, es waren die Carbonskull, so genannte Smoothies, die man mir anstatt der gewohnten Holzruder mitgegeben hatte. Diesmal dabei: 54 Teilnehmer.

Auch 2002 ist ein erwähnenswertes Jahr für mich. Nach einem lebensbedrohlichen Unfall im Februar mit einem sehr komplizierten Oberschenkelbruch war ich über ein halbes Jahr an Krücken gefesselt. Was mich am Rudern nicht gehindert, den Aufbau der atrophierten Muskulatur aufgrund der einseitigen Belastung aber ziemlich prolongiert hat. 71 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Meine Zeit: 1:22.10. Dies war die erste Rose mit dem eigenen Boot, einem gebrauchten, aber wunderschönen Holzeiner aus Linz, meinem „Ramblin’ Mind“.

Ab 2003 ging es immer weiter aufwärts, sowohl mit der Teilnehmerzahl (hier 177), als auch mit meiner Rudertechnik, die sich stark auf meine Rose-Zeiten auswirkte. Obwohl: Vergleichen gilt hier nicht, denn zu verschieden sind die Bedingungen, die man im Rückblick halt gerne vergisst. Zweimal am Start: Magdalena Lobnig – 2008 war sie sechs Minuten schneller und 2010, als Zwanzigjährige, hat sie mir (52) vier Minuten abgenommen. Es war das erste Rennen mit meinem neuen Schellenbacher-Leichtgewichtseiner „Novara“ in 1:14 – zugleich meine schnellste Rose-Zeit überhaupt. Ekaterina Karsten war auch einmal da, 2007, mit 1:08 um sieben Minuten schneller als ich.

Resüme: Das Wetter so verschieden wie es eben nur sein kann, die Erfahrungen im Prinzip stets die gleichen („Steigerung nur mehr mit Krafttraining möglich“ – so steht es in jeder Nachschau), die Nervosität und Angst vor Versagen (was für ein Unsinn) immer gleich groß, je näher der Rose-Termin rückt. Mit der heurigen Gruppenbestzeit von 1:17:59, insgesamt zwölf ersten Plätzen, sechs zweiten Plätzen und einem dritten Platz wollte ich mich vom „Rose-Zwang“ verabschieden. Bin gespannt, ob mir das gelingt, vor allem, wenn sich doch einmal eine engagierte Normannen-Gruppe anmeldet. Und der Start vorne weg, ein Privileg des Alters, bescherte mir mit der Startnummer 6 freie Bahn bis zur Kapuzinerinsel – ja, das hat auch was. Und ich muss jetzt nicht mehr, ich kann, wenn ich will! Das Gefühl tiefer Zufriedenheit danach, sich der Herausforderung doch wieder gestellt zu haben – werde ich es vermissen? „Lieber ein Tag als Löwe, als hundert Tage als Schaf“ – so lautet das italienische Originalzitat, das Willy etwas abgeändert hat als Motto für die Rose in „…als ein Jahr lang eine Maus“.

Abschließend, aber nicht zuletzt: Die hervorragende Zeit von Ingomar Kern bei der Rose 2019 mit 1:14:54. Seine schnellste Zeit bisher und er wird sie noch toppen, dessen bin ich mir sicher. Es war schön, nicht allein für unseren Verein zu starten und auf der Strecke von Ingos Familie sozusagen adoptiert und angefeuert zu werden. Danke auch für den Bootstransport nach Hause.