Ruderwoche Seeboden am Millstätter See

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Ein Tag in Seeboden 2017, oder „täglich grüßt das Murmeltier“

5:30 – der Wecker läutet und die Hände brennen. Ich versuche die Stopptaste zu erwischen, mit Erfolg. Gipsy, unser Hund, streckt sich erwartungsvoll am Boden – ich richte mich trotz schmerzender Glieder auf und suche was zum Anziehen. Mein Körper scheint Muskel zu haben, von denen ich bis dato keine Ahnung hatte, und sie alle schmerzen. Warme Ruderkleidung an, darüber eine warme Jacke mit Hunde-Säckchen in der Tasche und los geht’s. Das Hotel Kollers schläft noch, die Luft ist frisch. Die verschneiten Berge am Horizont strahlen rot in der Morgensonne, der Blick lässt die Aufstehschmerzen gleich fast vergessen. „Gutem Morgen Karl-Heinz!“ – die ersten Ruderer tauchen auf und radeln Richtung Ruderklub. Schnell noch den Hund zurück ins Zimmer bringen, Rudersack schnappen und los geht’s.
6:20 – im Ruderklub Wiking gibt es schon emsiges Treiben. Jeder versucht möglich schnell aufs Wasser zu kommen, aber der Computer der Wikings stellt jeden Steuermann, unbeachtet Rang und Alter auf eine ziemliche Geduldprobe. Jede Eingabe braucht eine mittlere Ewigkeit – so langsam war ja nicht einmal mein erster Amiga! Aber irgendwann sind alle Namen drin und die Fahrt kann beginnen. Helga, Fritz und Dawn warten schon, nur noch die Wiking III aufs Wasser zu kriegen, ohne dabei mit dem Floß unterzugehen und los geht’s.

6:30 – Das Herausmanövrieren zwischen Bojen, Windsurfsegel-Stand und den paar Fischerbooten, die schon draußen sind ist nicht so schwer und dann ist nur mehr spiegelglattes Wasser vor uns, das reinste Rudervergnügen! 40min später begrüßt uns die Schlossvilla mit dem obligaten Trompetenkonzert, ein Stück weiter legen wir eine Pause ein. Die ersten Boote sind schon am Rückweg, also Wende über Backboard und es geht zurück, wir wollen ja nicht die letzten beim Frühstück sein! Nur beim Einfahren auf die Fischer aufpassen – die werden jetzt mehr und die Leinen sind nicht so gut zu sehen, Gott sei Dank sind sie alle auf einer Seite, also großräumig ausweichen und alles ist gut.

8:30 – Anlegemanöver klappt gut, Boot schnell putzen und in die Halle, die Fahrt noch am Computer abschließen – zumindest das geht flott, und schnell zum Frühstück.
9:00 – Frühstück, das Highlight des Tages. Das Büfett bietet reichhaltig für Jedermann, von Müsli über Wurst und Käse bis Eierspeisen, dazu viel Kaffee um munter zu bleiben. Heute nehme ich Ham & Eggs, und mache einen Bogen um den Apfelsaft – keine Ahnung ob es daran wirklich liegt, aber jeder der ihn bis jetzt getrunken hat leidet an viel zu schneller Verdauung, keine gute Kondition im Ruderboot.
10:00 – Die Putzfrau will ins Zimmer, also müssen wir mit dem Hund wieder spazieren gehen. Einmal um den Block, dauert mit unserem 17 Jahre alten Greisen eine Stunde, genug Zeit für das Personal unser Zimmer wieder von dem täglichen Chaos zu befreien. Jetzt ist ein wenig Zeit zum Entspannen, Lesen, Seele baumeln lassen, soll ich was lesen, oder schlafen? Schlafen siegt…

14:00 – Wecker läutet, die Hände brennen. Und wieder anziehen, jetzt reichen leichtere Ruderkleider, nur Windschutz nicht vergessen und wieder zum Ruderklub.
14:30 – der Computer spielt wieder seine Spielchen, nur nicht ungeduldig werden, sonst stürzt er ab und man muss von vorne beginnen wie gestern. Das Boot wartet, das Wasser ist nicht mehr so glatt wie in der Früh, aber für Donau-erprobte Ruderer noch immer kein großes Hindernis. Diesmal geht es ein Stück weiter als in der Früh und ohne Trompetenbegrüßung. Die Kulisse der verschneiten Berge, fast kitschig, wirkt total aufputschend, die Endorphine schicken neue Kraftreserven in die müden Glieder. Nach einer Pause in der Bucht geht es wieder zurück, jetzt noch einmal konzentrieren, die Arbeitsebene halten und auf den Schlagmann achten! Es fällt schwerer, aber zumindest wird der Wind schwächer und dass macht die Aufgabe ein wenig einfacher. Anlegen, Boot putzen, in die Halle verstauen, Fahrt abschließen, Halle zusperren und zurück ins Hotel. Dann schnell Duschen, den Hund füttern nicht vergessen, und dann einen Aperol-Spritz auf der Hotel-Terrasse – ein toller Tag mit dem besten Ausklang.

18:30 – Abendessen! Was immer ich mache, Gerald ist schon wieder vor mir am Tisch und richtet sich die Vorspeise. Was soll ich heute trinken – Bier oder den Normannen-Wein? Heute nehme ich den Wein, damit Gerald nicht so viele Flaschen zurück schleppen muss. Ein Gang nach dem anderen wird serviert, die Geschichten werden am Tisch gesponnen, und schau da – auf den Hund haben wir wieder fast vergessen, der muss auch noch raus. Die Abendluft wird langsam frisch, die Berge sind schon in der Dunkelheit verschwunden.

22:00 – zurück im Zimmer, möchte ich noch was lesen? Die Zeilen werden schnell verschwommen, die Glieder sind schwer, Licht aus…

5:30 – der Wecker läutet und die Hände brennen…

25 rudernde Normannen haben dieses Jahr an der Ruderwoche teilgenommen, alle waren fleißig am Wasser, nur ein kursierender Virus hat ein Paar von uns kurzzeitig aus dem Betrieb genommen. Ich war am Ende der Woche stolz auf meine 131 km, bis ich die Leistung von unserem Ehrenobmann gesehen habe – er hat mir noch gute 30 km draufgegeben! Die Spitze hat wieder einmal unser Erich erobert, mit satten 209 – Gratulation!

Die Ruderbedingungen waren ausgezeichnet, trotz sämtlicher, alarmierenden Wettervorhersagen haben wir kein einziges Rudern absagen müssen, auch der obligatorische Spaziergang zu der Lammersdorfer Hütte hat stattgefunden. Bis auf zwei Nachmittage waren wir auch vom Wind verschont, aber auch diese zwei Ausfahrten waren in Ordnung.

Die Organisation hat dank Willibald Stuppan, Erich Geiser, Erich Koletnik und Ingomar Kern bestens geklappt, jeder hat immer gewusst in welchem Boot er bei der nächsten Ausfahrt sitzen wird – das spart ordentlich Zeit. Die Unterbringung im Hotel Kollers bieten alles was man braucht, vom ausgezeichnetem Essen bis zur Sauna und Massage ist alles vorhanden, bessere Bedingungen für so eine Trainingswoche kann man sich nicht wünschen.

Und falls sich wer noch wundern sollte – ich habe schon für nächstes Jahr gebucht!

Richard, 18. Mai 2017

Weitere Bilder von der Ruderwoche: zur Medienbibliothek…

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