Wanderfahrt Lübeck

Das muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, denn die Temperaturen lassen eher an Februar denken. Die Steuerleute sind in Daune und wollige Mäntel gepackt. Beim Rudern kommt man auch nicht ins Schwitzen. „In der Weihnachtsbäckerei“ wird trotz der Temperaturen nicht gesungen.

Abends speisen wir traditionelle deutsche Küche – Sachen wie Labskaus – in der „Schiffergesellschaft“ im ehemaligen Gildehaus des Seefahrerverbands, das seit 1401 dort steht und seit 150 Jahren ein beliebtes Restaurant beherbergt, nachdem die Pflichtbeiträge abgeschafft wurden und die Hausbesitzer dringend eine neue Einnahmequelle benötigten.

Bevor es auf große Fahrt geht, shoppen wir noch Marzipan. Der lokale Kleinproduzent Mest schlägt in Geschmack und Konsistenz den Platzhirschen Niederegger, den wir natürlich auch verkostet haben. Man will sich ja selbst ein Urteil bilden.

An Tag 3 geht’s tatsächlich nach Travemünde. Toni Buddenbrook braucht mit der Droschke zwei Stunden, im Vierer mit Steuermann brauchen wir drei. Der Wind bläst und manche Welle lässt Vorfreude auf die Ostsee aufkommen – auf der wir später eine Ehrenrunde drehen werden. Ein kurzer Schauer reicht, dass wir so richtig nass werden. Bei der Einfahrt in Travemünde sind wir wieder aufgetrocknet und rudern an der stolzen „Passat“ vorbei. Sie ist das Schwesternschiff der „Palmir“ aus der Flying P-Liner-Serie der Reederei Laeisz, deren Schiffe alle auf einen Namen mit P getauft wurden – von Preussen bis Pudel. Auch dazu gibt es ein passendes Lied – diesmal in Plattdeutsch. War zwar schwer zu verstehen, aber Weihnachtsbäckerei kam definitiv nicht vor.

Die „Passat“ ist nicht nur Sehenswürdigkeit, sondern auch unser Nachtquartier. In der Luke IV verteilen wir uns in 4er-Kajüten mit Stockbetten zum selbst Überziehen, Gemeinschaftsduschen und do-yourself-Frühstück. Jugendherbergscharme auf Windjammerniveau. Voll Optimismus wird „Pack die Badehose ein“ angestimmt. Nach Baden ist aber niemandem zumute. Wahrscheinlich geht es dem Herrenchor gar nicht um’s Baden, sondern um nostalgische Gedanken an ihren Wannsee.

Die Trave zurückrudern nach Lübeck ist das Programm von Tag 4. In die Gegenrichtung ist es immer noch anstrengend, auch wenn der Wind nachgelassen und der Regen sich verzogen haben.

Mit Booten rein, Mittagspause und Booten raus braucht man natürlich länger als 3 Stunden und bei der Wahl zwischen Boote waschen und Abschiedsbier gewinnt leider Boote waschen. Züge und Flieger haben fixe Startzeiten, da lässt sich nichts machen. Schnelle Gruppenverabschiedung und Verstreuung in alle Windrichtungen.

„In der Weihnachtsbäckerei“ wurde trotz mehrmaligen Vorschlags bis zuletzt nicht gesungen.

Facts:

  • Tourplanung: Ruderklub am Wannsee
  • 19 Ruderer- und innen aus Berlin, Wien (Donauhort), Klosterneuburg (Normannen), Leiden, Erfurt, …
  • Boote der Lübecker Rudergesellschaft – Danke dafür!
  • gerudert: 79 km
  • Landdienst: 162 km – musste mehrere Umwege machen